Prof. Dr. David Liebetanz - Neurologische Privatpraxis
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Botulinumtoxin bei Blepharospasmus

Lidkrampf

Der Blepharospasmus ist eine neurologische Erkrankung, bei der es zu unwillkürlichen Verkrampfungen der Augenlidmuskulatur kommt. Betroffene blinzeln häufig oder können die Augen zeitweise gar nicht mehr öffnen. In ausgeprägten Fällen kann dies das Sehen erheblich beeinträchtigen und den Alltag stark einschränken.

Der Blepharospasmus gehört zu den seltenen neurologischen Erkrankungen. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 10 bis 20 von 100.000 Menschen betroffen sind. Die Erkrankung tritt meist im mittleren bis höheren Lebensalter auf, typischerweise zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. Frauen sind etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer.

Woher kommt der Blepharospasmus?

Ursache ist eine Fehlsteuerung in bestimmten Bereichen des Gehirns, die für die Bewegungskoordination zuständig sind. Die Muskulatur selbst ist gesund, wird aber falsch angesteuert. Warum diese Störung entsteht, ist oft nicht eindeutig geklärt. Häufig tritt sie ohne erkennbare Ursache auf, manchmal im Zusammenhang mit anderen Bewegungsstörungen im Gesichtsbereich.

Wie wirkt Botulinumtoxin beim Blepharospasmus?

Die Behandlung des Blepharospasmus mit Botulinumtoxin ist eine effektive, gut verträgliche und bewährte Methode, um die Lidkrämpfe deutlich zu reduzieren und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

Botulinumtoxin wird gezielt in die überaktiven Muskeln rund um das Auge injiziert. Es hemmt dort die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel. Dadurch entspannen sich die Muskeln, und die unwillkürlichen Lidkrämpfe lassen nach. Die Wirkung ist lokal begrenzt und hält bis zu 3 Monaten an.

Ablauf der Behandlung

Die Behandlung erfolgt ambulant und dauert in der Regel nur wenige Minuten. Mit sehr feinen Nadeln wird Botulinumtoxin in mehrere Punkte rund um das Auge injiziert. Die Auswahl der Injektionsstellen erfolgt individuell je nach Ausprägung der Beschwerden. Eine Betäubung ist meist nicht erforderlich, da die Behandlung nur wenig schmerzhaft ist. Direkt im Anschluss können Sie die Praxis wieder verlassen.

Wirkungseintritt und Wirkdauer

Die Wirkung setzt in der Regel nach drei bis fünf Tagen ein, die maximale Wirkung wird nach etwa ein bis zwei Wochen erreicht. Die Wirkung hält durchschnittlich drei bis vier Monate an. Danach lässt sie langsam nach, sodass die Behandlung in regelmäßigen Abständen wiederholt werden kann.

Verhalten vor und nach der Behandlung

Vor der Behandlung sind keine besonderen Maßnahmen erforderlich. Nach der Behandlung sollte die Augenregion für etwa 24 Stunden nicht gerieben oder massiert werden, um eine ungewollte Verteilung des Wirkstoffs zu vermeiden. Am Behandlungstag sollte zudem auf intensive körperliche Belastung und Sauna verzichtet werden. Normale Alltagsaktivitäten sind unmittelbar möglich.

Nebenwirkungen

Die Behandlung ist seit vielen Jahren etabliert und gilt als sicher. Mögliche Nebenwirkungen sind in der Regel mild und vorübergehend. Dazu gehören kleine Blutergüsse oder Rötungen an den Einstichstellen. In seltenen Fällen kann es zu einem vorübergehenden Hängen des Augenlids, zu Doppelbildern oder zu trockenen beziehungsweise tränenden Augen kommen.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Botulinumtoxin ist die Therapie der ersten Wahl beim Blepharospasmus. Medikamente sind meist weniger wirksam und gehen häufiger mit Nebenwirkungen einher. Unterstützend können spezielle Brillen, beispielsweise mit getönten Gläsern bei Lichtempfindlichkeit, sinnvoll sein. Operative Verfahren kommen nur in sehr seltenen Fällen infrage.