Botulinumtoxin bei zervikaler Dystonie
Torticollis spasmodicus – Schiefhals
Der Schiefhals ist eine neurologische Bewegungsstörung, bei der es zu unwillkürlichen Muskelverkrampfungen im Bereich von Hals und Nacken kommt. Dadurch wird der Kopf in eine unnatürliche Haltung gezogen, zum Beispiel zur Seite gedreht, nach vorne oder hinten geneigt. Häufig treten zusätzlich Schmerzen und Verspannungen auf. Die Fehlhaltung kann dauerhaft bestehen oder in Form von wiederkehrenden Bewegungen auftreten.
Ursache ist eine Fehlregulation in bestimmten Bereichen des Gehirns, die für die Steuerung von Bewegungen zuständig sind. Die Muskulatur selbst ist dabei gesund, wird jedoch falsch angesteuert. Warum diese Störung entsteht, ist meist nicht eindeutig zu klären. In den meisten Fällen handelt es sich um eine primäre Erkrankung ohne erkennbare Ursache aber mit einer erblichen Komponente. Seltener tritt sie im Zusammenhang mit anderen neurologischen Erkrankungen auf.
Die zervikale Dystonie ist die häufigste Form der fokalen Dystonien. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 5 bis 15 von 100.000 Menschen betroffen sind. Die Erkrankung beginnt meist im mittleren Lebensalter und betrifft Frauen etwas häufiger als Männer. Der Verlauf ist individuell unterschiedlich.
Die Behandlung der zervikalen Dystonie mit Botulinumtoxin ist eine wirksame, gut verträgliche und individuell anpassbare Therapie. Sie kann die Kopfhaltung verbessern, Schmerzen reduzieren und die Lebensqualität deutlich steigern. Die Behandlung erfolgt ambulant, wirkt nach wenigen Tagen und kann langfristig regelmäßig wiederholt werden.
Wie wirkt Botulinumtoxin?
Botulinumtoxin wird gezielt in die überaktiven Muskeln im Hals- und Nackenbereich injiziert. Dort blockiert es vorübergehend die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel. Die betroffenen Muskeln entspannen sich, wodurch sich die Kopfhaltung verbessert und Schmerzen häufig deutlich nachlassen. Die Wirkung ist lokal begrenzt und betrifft nur die behandelten Muskeln.
Ablauf der Behandlung
Zunächst wird genau untersucht, welche Muskeln an der Fehlhaltung beteiligt sind. Anschließend wird Botulinumtoxin mit feinen Nadeln in diese Muskeln injiziert. Häufig wird die Behandlung durch Elektromyographie oder Ultraschall unterstützt, um die betroffenen Muskeln möglichst genau zu treffen. Die Behandlung dauert in der Regel etwa 15 bis 30 Minuten.
Wirkungseintritt und Wirkdauer
Die Wirkung setzt nicht sofort ein, sondern entwickelt sich meist innerhalb von drei bis sieben Tagen. Die Wirkung hält in der Regel etwa drei bis vier Monate an. Danach lässt sie allmählich nach, sodass die Behandlung in regelmäßigen Abständen wiederholt werden sollte.
Verhalten vor und nach der Behandlung
Vor der Behandlung sind keine besonderen Maßnahmen erforderlich. Nach der Behandlung sollte am selben Tag auf intensive körperliche Belastung und Sauna verzichtet werden. Die behandelten Muskelbereiche sollten nicht stark massiert werden. Normale Alltagsaktivitäten sind sofort möglich. Begleitende Physiotherapie kann den Behandlungserfolg unterstützen.
Nebenwirkungen
Die Behandlung ist seit vielen Jahren etabliert und gilt als sicher. Nebenwirkungen sind meist mild und vorübergehend. Dazu gehören lokale Schmerzen oder kleine Blutergüsse an den Einstichstellen. Gelegentlich kann es zu einer vorübergehenden Muskelschwäche im Nacken kommen. In seltenen Fällen treten Schluckstörungen auf, insbesondere wenn tief liegende Muskeln behandelt werden oder sich das Medikament geringfügig ausbreitet. Auch diese Nebenwirkungen sind in der Regel vorübergehend.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten
Botulinumtoxin ist die Therapie der ersten Wahl bei zervikaler Dystonie. Ergänzend können Physiotherapie, Dehnübungen und spezielle Lagerungstechniken hilfreich sein. Medikamente können in Einzelfällen eingesetzt werden, sind jedoch oft weniger wirksam und mit Nebenwirkungen verbunden. In einigen Fällen kommen operative Verfahren wie eine tiefe Hirnstimulation infrage.