Prof. Dr. David Liebetanz - Neurologische Privatpraxis
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Botulinumtoxin bei Ejaculatio praecox

Vorzeitiger Samenerguss

Die Ejaculatio praecox bezeichnet einen vorzeitigen Samenerguss, der bereits kurz nach Beginn der sexuellen Stimulation oder Penetration auftritt und vom Betroffenen nicht ausreichend kontrolliert werden kann. Dies kann zu einer erheblichen Belastung im Sexualleben führen.

Die Ursachen sind vielfältig und nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden eine erhöhte Empfindlichkeit der beteiligten Nerven, eine veränderte Steuerung zentraler Abläufe im Nervensystem sowie eine gesteigerte Aktivität der Beckenbodenmuskulatur. Häufig handelt es sich um ein funktionelles Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Die Ejaculatio praecox ist eine der häufigsten sexuellen Funktionsstörungen beim Mann. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 20 bis 30 % der Männer im Laufe ihres Lebens betroffen sind, wobei die Ausprägung sehr unterschiedlich sein kann. Karl Ove Knausgård thematisiert den vorzeitigen Samenerguss in seinem autobiografischen Werk Min Kamp als Ausdruck von Scham und Unsicherheit in seiner Jugend und frühen Erwachsenenzeit.

Die Anwendung von Botulinumtoxin bei Ejaculatio praecox ist eine experimentelle Therapieoption, die in ausgewählten Fällen erwogen werden kann.

Wie wirkt Botulinumtoxin?

Botulinumtoxin wird in ausgewählten Fällen in die an der Ejakulation beteiligte Muskulatur injiziert, insbesondere in die Beckenbodenmuskulatur. Es reduziert dort vorübergehend die Muskelaktivität. Ziel ist eine Abschwächung der unwillkürlichen muskulären Reaktionen, die zur Ejakulation beitragen, und damit eine Verlängerung der Zeit bis zum Samenerguss. Die Anwendung ist experimentell und wird individuell abgewogen.

Ablauf der Behandlung

Nach entsprechender Aufklärung wird Botulinumtoxin mit feinen Nadeln unter Ultraschallkontrolle in die Zielmuskulatur injiziert. Die genaue Technik und die Auswahl der Muskeln hängen vom Einzelfall ab. Die Behandlung dauert nur kurze Zeit, erfordert jedoch Erfahrung und eine sorgfältige Indikationsstellung.

Wirkungseintritt und Wirkdauer

Die Wirkung setzt meist innerhalb von einigen Tagen ein und erreicht nach ein bis zwei Wochen ihr Maximum. Die Wirkdauer beträgt in der Regel mehrere Monate. Da es sich um eine nicht standardisierte Anwendung handelt, kann die individuelle Wirkung variieren.

Nebenwirkungen

Die Behandlung ist insgesamt wenig untersucht. Mögliche Nebenwirkungen sind lokale Schmerzen oder kleine Blutergüsse an den Einstichstellen. Die Effekte sind in der Regel reversibel.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Die Standardtherapie der Ejaculatio praecox umfasst verhaltenstherapeutische Ansätze, spezielle Übungen zur Kontrolle der Ejakulation sowie medikamentöse Behandlungen, zum Beispiel mit bestimmten Antidepressiva. Auch lokale Betäubungscremes können eingesetzt werden.