Prof. Dr. David Liebetanz - Neurologische Privatpraxis
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Botulinumtoxin beim Frey-Syndrom

Gustatorisches Schwitzen

Beim Frey-Syndrom kommt es zu Schwitzen und oft auch zu Rötung der Haut im Wangen- oder Schläfenbereich – typischerweise beim Essen oder schon beim Gedanken an Nahrung. Ursache ist meist eine frühere Operation oder Verletzung im Bereich der Ohrspeicheldrüse (Parotis), zum Beispiel nach Tumorentfernung. Dabei können Nervenfasern, die ursprünglich die Speichelproduktion steuern, falsch wieder zusammenwachsen und anschließend Schweißdrüsen aktivieren. Dadurch kommt es zu Schwitzen anstelle von Speichelfluss.

Viele Fälle sind mild und werden kaum wahrgenommen, bei einem Teil der Betroffenen ist die Symptomatik jedoch deutlich störend und behandlungsbedürftig.

Die Behandlung des Frey-Syndroms mit Botulinumtoxin ist eine einfache, effektive und gut verträgliche Methode, um störendes Schwitzen im Gesichtsbereich deutlich zu reduzieren. Sie wirkt nach wenigen Tagen und kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern.

Wie wirkt Botulinumtoxin?

Botulinumtoxin wird gezielt in die betroffenen Hautareale injiziert. Dort blockiert es die Signalübertragung zu den Schweißdrüsen, sodass diese nicht mehr aktiviert werden. Die Schweißproduktion wird dadurch lokal deutlich reduziert oder vollständig unterdrückt. Die Wirkung ist auf das behandelte Gebiet begrenzt.

Ablauf der Behandlung

Die Behandlung erfolgt ambulant und dauert in der Regel nur wenige Minuten. Gelegentlich wird das betroffene Areal zuvor durch einen einfachen Jod-Stärke-Test sichtbar gemacht, um die Schweißzonen genau zu bestimmen. Anschließend wird Botulinumtoxin mit sehr feinen Nadeln in mehreren kleinen Punkten in die Haut injiziert. Die Behandlung ist gut verträglich, eine Betäubung ist meist nicht erforderlich.

Wirkungseintritt und Wirkdauer

Die Wirkung setzt nicht sofort ein, sondern entwickelt sich innerhalb von etwa drei bis sieben Tagen. Die maximale Wirkung wird nach ein bis zwei Wochen erreicht. Die Schweißproduktion nimmt dann deutlich ab. Die Wirkung hält in der Regel mehrere Monate an, häufig etwa sechs Monate oder länger. Danach kann die Behandlung bei Bedarf wiederholt werden.

Verhalten vor und nach der Behandlung

Am Behandlungstag sollte möglichst auf Make-up oder Cremes im betroffenen Bereich verzichtet werden. Nach der Behandlung sollte die Haut für etwa 24 Stunden nicht massiert oder stark gereizt werden.

Nebenwirkungen

Die Behandlung ist gut etabliert und in der Regel sicher. Mögliche Nebenwirkungen sind meist mild und vorübergehend. Dazu gehören kleine Blutergüsse, Rötungen oder ein leichtes Brennen an den Einstichstellen. In seltenen Fällen kann es zu einer vorübergehenden Schwäche benachbarter Gesichtsmuskeln kommen, wenn sich das Medikament geringfügig ausbreitet. Diese Effekte bilden sich in der Regel innerhalb kurzer Zeit vollständig zurück.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Neben Botulinumtoxin können lokal wirksame Antitranspirantien eingesetzt werden, die jedoch oft weniger effektiv sind. In ausgeprägten Fällen wurden auch operative Verfahren oder spezielle Gewebetransplantationen beschrieben, diese spielen jedoch heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Botulinumtoxin gilt als die effektivste und am häufigsten eingesetzte Behandlung.