Prof. Dr. David Liebetanz - Neurologische Privatpraxis
← Zurück zu Botulinumtoxin

Botulinumtoxin beim Spasmus hemifacialis

Einseitiger Gesichtskrampf

Der hemifaziale Spasmus ist eine neurologische Erkrankung, bei der es zu unwillkürlichen Zuckungen der Muskulatur einer Gesichtshälfte kommt. Häufig beginnt die Symptomatik im Bereich des Auges mit vermehrtem Blinzeln und kann sich im Verlauf auf die gesamte Gesichtshälfte ausbreiten. Die Bewegungen sind nicht kontrollierbar und können im Alltag als sehr störend empfunden werden.

Ursache ist in den meisten Fällen eine Reizung des Gesichtsnerven (Nervus facialis), häufig durch ein Blutgefäß, das in unmittelbarer Nähe auf den Nerv drückt. Seltener können auch andere Ursachen wie frühere Entzündungen oder strukturelle Veränderungen im Bereich des Nervs eine Rolle spielen. Die Erkrankung ist gutartig, kann aber im Verlauf zunehmen.

Der hemifaziale Spasmus ist eine seltene Erkrankung. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 10 von 100.000 Menschen betroffen sind. Er tritt meist im mittleren bis höheren Lebensalter auf und betrifft Frauen etwas häufiger als Männer. In der Regel ist nur eine Gesichtshälfte betroffen.

Die Behandlung des hemifazialen Spasmus mit Botulinumtoxin ist eine sehr wirksame, gut verträgliche und bewährte Methode, um die unwillkürlichen Muskelzuckungen deutlich zu reduzieren.

Wie wirkt Botulinumtoxin beim Hemispasmus facialis?

Botulinumtoxin wird gezielt in die überaktiven Gesichtsmuskeln injiziert. Dort hemmt es vorübergehend die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel. Dadurch entspannen sich die betroffenen Muskeln, und die unwillkürlichen Zuckungen gehen deutlich zurück. Die Wirkung ist lokal begrenzt und betrifft nur die behandelten Muskeln.

Ablauf der Behandlung

Die Behandlung erfolgt ambulant und dauert nur wenige Minuten. Mit sehr feinen Nadeln werden kleine Mengen Botulinumtoxin in die betroffenen Muskeln injiziert. Die Injektionspunkte werden individuell je nach Ausprägung und Verteilung der Zuckungen festgelegt. Die Behandlung ist in der Regel gut verträglich und nur wenig schmerzhaft.

Die Wirkung setzt meist nach wenigen Tagen ein, in der Regel innerhalb von drei bis fünf Tagen. Die maximale Wirkung wird nach etwa ein bis zwei Wochen erreicht. Die Wirkung hält durchschnittlich drei bis vier Monate an. Danach muss die Behandlung wiederholt werden.

Verhalten vor und nach der Behandlung

Vor der Behandlung sollte kein Make-up im Gesicht verwendet werden. Nach der Behandlung sollte die behandelte Gesichtshälfte für etwa 24 Stunden nicht massiert oder stark gerieben werden.

Nebenwirkungen

Die Behandlung ist seit vielen Jahren etabliert und gilt als sicher. Nebenwirkungen sind meist mild und vorübergehend. Dazu gehören kleine Blutergüsse oder Rötungen an den Einstichstellen. In seltenen Fällen kann es zu einer vorübergehenden Schwäche einzelner Gesichtsmuskeln kommen, zum Beispiel zu einem leichten Herabhängen des Augenlids, zu einem asymmetrischen Lächeln oder zu einem unvollständigen Lidschluss. Gelegentlich können trockene Augen oder vermehrte Blendempfindlichkeit auftreten. Diese Nebenwirkungen bilden sich in der Regel vollständig zurück.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Botulinumtoxin ist die Therapie der ersten Wahl beim hemifazialen Spasmus. Ein Nachteil ist jedoch, dass diese Behandlung alle 3–4 Monate wiederholt werden muss. Alternativ kommt daher eine operative Behandlung in Betracht, bei der das drückende Gefäß vom Nerv entfernt wird (mikrovaskuläre Dekompression). Dieser Eingriff ist jedoch mit einem höheren Risiko verbunden, weshalb von den meisten Betroffenen die wiederholte Behandlung mit Botulinumtoxin vorgezogen wird.