Prof. Dr. David Liebetanz - Neurologische Privatpraxis
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Botulinumtoxin bei oromandibulärer Dystonie

Kiefer-, Mund- und Zungenbewegungsstörung

Die oromandibuläre Dystonie ist eine neurologische Bewegungsstörung, bei der es zu unwillkürlichen Verkrampfungen der Muskulatur im Bereich von Kiefer, Mund und Zunge kommt. Dadurch können sich der Unterkiefer unkontrolliert öffnen, schließen oder zur Seite bewegen. Auch Zungenbewegungen können betroffen sein. Die Beschwerden treten häufig beim Sprechen, Kauen oder Schlucken auf und können den Alltag erheblich beeinträchtigen.

Ursache ist eine Fehlregulation in den Bewegungszentren des Gehirns. Die Muskulatur selbst ist gesund, wird jedoch fehlerhaft angesteuert. In vielen Fällen ist die Ursache nicht eindeutig feststellbar. Seltener tritt die Erkrankung im Zusammenhang mit anderen neurologischen Erkrankungen, nach Medikamenteneinnahme oder nach strukturellen Schädigungen auf.

Die oromandibuläre Dystonie gehört zu den seltenen Dystonien. Sie tritt meist im mittleren bis höheren Lebensalter auf und betrifft Frauen etwas häufiger als Männer. Häufig ist sie Teil einer kombinierten Dystonie, zum Beispiel im Rahmen eines Meige-Syndroms.

Die Behandlung der oromandibulären Dystonie mit Botulinumtoxin ist eine effektive und bewährte Methode, um unwillkürliche Muskelaktivität im Kiefer- und Mundbereich zu reduzieren. Sie wirkt nach wenigen Tagen und kann die Funktion und Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern.

Wie wirkt Botulinumtoxin?

Botulinumtoxin wird gezielt in die überaktiven Muskeln im Kiefer- und Gesichtsbereich injiziert. Es hemmt dort vorübergehend die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel. Dadurch entspannen sich die betroffenen Muskeln, und die unwillkürlichen Bewegungen werden reduziert. Ziel ist eine Verbesserung von Funktionen wie Sprechen, Kauen und Schlucken sowie eine Reduktion von Schmerzen und Fehlbelastungen.

Ablauf der Behandlung

Die Behandlung wird individuell geplant. Zunächst wird genau analysiert, welche Muskelgruppen betroffen sind und welche Bewegungsmuster vorliegen. Je nach Befund werden unterschiedliche Muskeln behandelt, zum Beispiel Kaumuskulatur oder Zungenmuskulatur. Häufig wird die Injektion durch Elektromyographie unterstützt, um die Zielmuskeln möglichst genau zu identifizieren. Die Behandlung dauert in der Regel nur wenige Minuten, erfordert jedoch Erfahrung in der Auswahl der richtigen Muskeln und Dosierung.

Wirkungseintritt und Wirkdauer

Die Wirkung setzt meist innerhalb von drei bis fünf Tagen ein. Die maximale Wirkung wird nach etwa ein bis zwei Wochen erreicht. Die Wirkdauer beträgt in der Regel etwa drei bis vier Monate. Danach wird die Behandlung bei Bedarf wiederholt. Häufig ist eine individuelle Anpassung der Behandlung im Verlauf erforderlich.

Verhalten vor und nach der Behandlung

Am Behandlungstag sollte möglichst auf Make-up oder Cremes im betroffenen Bereich verzichtet werden, um eine effektive Hautdesinfektion zu ermöglichen. Nach der Injektion sollte die behandelte Region für etwa 24 Stunden nicht stark belastet oder massiert werden. Normale Alltagsaktivitäten sind möglich. Bei Beteiligung der Schluck- oder Zungenmuskulatur sollte in den ersten Tagen auf Veränderungen beim Schlucken geachtet werden.

Nebenwirkungen

Die Behandlung ist grundsätzlich gut verträglich, erfordert jedoch eine sorgfältige Dosierung. Mögliche Nebenwirkungen sind meist mild und vorübergehend, zum Beispiel kleine Blutergüsse oder lokale Schmerzen an den Einstichstellen. Je nach behandelter Muskulatur kann es vorübergehend zu Schwierigkeiten beim Kauen, Sprechen oder Schlucken kommen. Diese Effekte sind in der Regel reversibel, sollten aber im Vorfeld besprochen werden.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Neben Botulinumtoxin können medikamentöse Therapien versucht werden, sind jedoch häufig weniger wirksam und mit Nebenwirkungen verbunden. Ergänzend können logopädische oder physiotherapeutische Maßnahmen sinnvoll sein.