Prof. Dr. David Liebetanz - Neurologische Privatpraxis
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Botulinumtoxin bei Sialorrhö

Vermehrter Speichelfluss

Unter Sialorrhö versteht man einen vermehrten Speichelfluss, der häufig als „Speichellaufen” wahrgenommen wird. In vielen Fällen liegt dabei keine echte Überproduktion von Speichel vor, sondern eine Störung der Schluckfunktion oder der Kontrolle der Mundmuskulatur. Dadurch wird Speichel nicht mehr ausreichend geschluckt und sammelt sich im Mund oder tritt nach außen aus.

Häufig tritt dies bei neurologischen Erkrankungen auf, insbesondere bei Parkinson-Erkrankung, Amyotropher Lateralsklerose (ALS) oder nach einer schweren Hirnschädigung, zum Beispiel nach Sauerstoffmangel. Der Speichelfluss kann im Alltag sehr belastend sein, zu Hautreizungen führen und das Risiko für Verschlucken oder Infektionen erhöhen.

Die Behandlung der Sialorrhö mit Botulinumtoxin ist eine effektive und gut verträgliche Methode, um den Speichelfluss gezielt zu reduzieren. Sie wirkt lokal, ist ambulant durchführbar und kann die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern.

Wie wirkt Botulinumtoxin bei vermehrtem Speichelfluss?

Botulinumtoxin wird gezielt in die großen Speicheldrüsen injiziert, vor allem in die Ohrspeicheldrüse (Parotis) und die Unterkieferspeicheldrüse (Submandibularis). Dort hemmt es die Signalübertragung zwischen Nerv und Drüsenzellen, sodass weniger Speichel produziert wird. Die Wirkung ist lokal begrenzt und betrifft nur die behandelten Drüsen.

Ablauf der Behandlung

Die Behandlung erfolgt ambulant und dauert maximal 30 Minuten. Die Speicheldrüsen werden in der Regel mit Ultraschall dargestellt, um eine präzise Injektion zu ermöglichen. Anschließend wird Botulinumtoxin mit feinen Nadeln direkt in die Drüsen eingebracht. Die Behandlung ist gut verträglich, eine Betäubung ist meist nicht erforderlich. Direkt im Anschluss können Sie die Praxis wieder verlassen.

Wirkungseintritt und Wirkdauer

Die Wirkung setzt nicht sofort ein, sondern entwickelt sich innerhalb von etwa drei bis sieben Tagen. Der Speichelfluss nimmt dann deutlich ab. Die Wirkung hält in der Regel etwa drei bis vier Monate an, teilweise auch länger. Danach kann die Behandlung problemlos wiederholt werden.

Verhalten vor und nach der Behandlung

Vor der Behandlung sind keine besonderen Maßnahmen erforderlich. Nach der Injektion sollten die behandelten Bereiche für etwa 24 Stunden nicht massiert werden. Normale Alltagsaktivitäten sind sofort möglich. Eine besondere Schonung ist in der Regel nicht notwendig.

Nebenwirkungen

Die Behandlung gilt als sicher und ist gut untersucht. Mögliche Nebenwirkungen sind meist mild und vorübergehend. Gelegentlich kann es zu Mundtrockenheit kommen, was in der Regel gut toleriert wird. In seltenen Fällen kann eine vorübergehende Schluckstörung auftreten. Der Hintergrund ist, dass die behandelten Speicheldrüsen in unmittelbarer Nähe zur Schluckmuskulatur liegen. Wenn sich das Botulinumtoxin geringfügig in benachbarte Muskelgruppen ausbreitet oder diese unbeabsichtigt mitbehandelt werden, kann die Muskelkraft beim Schlucken vorübergehend reduziert sein.

Das Risiko hierfür ist insgesamt niedrig, lässt sich aber nicht vollständig ausschließen. Es ist etwas höher bei Patienten, die bereits vor der Behandlung eine eingeschränkte Schluckfunktion haben, wie es zum Beispiel bei fortgeschrittener Parkinson-Erkrankung oder bei ALS der Fall sein kann. In den meisten Fällen sind solche Schluckstörungen mild und vorübergehend und bilden sich innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen zurück.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Neben Botulinumtoxin gibt es verschiedene andere Ansätze zur Behandlung der Sialorrhö. Dazu gehören Medikamente, die die Speichelproduktion reduzieren. Diese können jedoch häufiger Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Verstopfung oder Konzentrationsstörungen verursachen. Auch logopädische Maßnahmen zur Verbesserung der Schluckfunktion können hilfreich sein. In ausgewählten Fällen kann auch eine Bestrahlung der Speicheldrüsen erwogen werden.