Botulinumtoxin bei fazialen Synkinesien
Unwillkürliche Mitbewegungen nach Fazialisparese
Faziale Synkinesien sind unwillkürliche Mitbewegungen im Gesicht, die typischerweise nach einer Schädigung des Gesichtsnerven auftreten. Häufig entwickeln sie sich nach einer Fazialisparese, also einer Lähmung einer Gesichtshälfte. Während sich der Nerv im Verlauf erholt, kommt es zu einer fehlerhaften „Neuverschaltung” der Nervenfasern. Dadurch werden bei einer eigentlich gezielten Bewegung – zum Beispiel beim Lächeln oder Sprechen – gleichzeitig andere Muskeln mit aktiviert, etwa im Bereich des Auges oder des Mundes. Dies kann zu störenden Mitbewegungen, Spannungsgefühlen oder funktionellen Einschränkungen führen.
Faziale Synkinesien treten allerdings nur bei einem Teil der Patienten nach einer Fazialisparese auf, insbesondere wenn die Lähmung schwerer war oder die Regeneration unvollständig erfolgt ist.
Die Behandlung fazialer Synkinesien mit Botulinumtoxin ist eine wirksame und gut verträgliche Methode, um unwillkürliche Mitbewegungen zu reduzieren und die Gesichtsmimik zu verbessern. Sie wirkt nach wenigen Tagen und kann die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern.
Wie wirkt Botulinumtoxin?
Botulinumtoxin wird gezielt in die überaktiven Muskeln injiziert, die für die ungewollten Mitbewegungen verantwortlich sind. Es hemmt dort vorübergehend die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel. Dadurch wird die überschießende Aktivität reduziert und die Mitbewegungen werden schwächer oder verschwinden ganz. Ziel ist eine bessere Symmetrie und eine natürlichere Gesichtsmimik.
Ablauf der Behandlung
Die Behandlung wird individuell geplant. Zunächst wird genau analysiert, welche Bewegungen betroffen sind und welche Muskeln daran beteiligt sind. Anschließend werden kleine Mengen Botulinumtoxin mit feinen Nadeln in die entsprechenden Muskeln injiziert. Die Behandlung dauert nur wenige Minuten.
Wirkungseintritt und Wirkdauer
Die Wirkung setzt meist innerhalb von drei bis fünf Tagen ein. Die maximale Wirkung wird nach etwa ein bis zwei Wochen erreicht. Die Mitbewegungen nehmen dann deutlich ab. Die Wirkung hält in der Regel etwa drei bis vier Monate an. Danach kann die Behandlung bei Bedarf wiederholt werden.
Verhalten vor und nach der Behandlung
Am Tag der Behandlung sollte kein Make-up aufgetragen werden, um eine effektive Hautdesinfektion zu ermöglichen. Nach der Injektion sollte die behandelte Gesichtspartie für etwa 24 Stunden nicht massiert oder stark gerieben werden.
Nebenwirkungen
Die Behandlung ist in der Regel gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen sind meist mild und vorübergehend. Dazu gehören kleine Blutergüsse oder Rötungen an den Einstichstellen. In seltenen Fällen kann es zu einer vorübergehenden Schwäche einzelner Gesichtsmuskeln kommen, was sich zum Beispiel in einer leichten Asymmetrie oder einer veränderten Mimik äußern kann. Diese Effekte bilden sich in der Regel vollständig zurück.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten
Neben Botulinumtoxin spielt die physiotherapeutische Behandlung eine wichtige Rolle, insbesondere spezielle Gesichtstherapien zur Verbesserung der Muskelkontrolle. Auch logopädische Maßnahmen können sinnvoll sein. Operative Verfahren kommen nur in ausgewählten Fällen infrage.