Prof. Dr. David Liebetanz - Neurologische Privatpraxis
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Botulinumtoxin bei Tremor

Essenzieller und dystoner Tremor

Ein Tremor ist ein unwillkürliches Zittern von Körperteilen, meist der Hände. Viele Menschen kennen dies als feines Zittern bei Anspannung, es kann jedoch auch krankhaft verstärkt auftreten. Häufige Formen sind der essenzielle Tremor und der dystone Tremor. Beim dystonen Tremor liegt zusätzlich eine Fehlsteuerung der Muskulatur vor, ähnlich wie bei einer Dystonie, sodass es zu unnatürlichen Haltungen und unregelmäßigen Bewegungen kommt.

Ursache ist eine Störung in den Bewegungszentren des Gehirns, die für die Feinabstimmung von Muskelaktivität verantwortlich sind. Tremor gehört zu den häufigsten neurologischen Bewegungsstörungen. Der essenzielle Tremor tritt bei bis zu 1–2 % der Bevölkerung auf, im höheren Lebensalter auch häufiger. Der dystone Tremor ist seltener und tritt meist im Zusammenhang mit einer Dystonie auf.

Die Behandlung von Tremor mit Botulinumtoxin ist eine individuell angepasste Therapie, die helfen kann, das Zittern gezielt zu reduzieren. Sie kann bei geeigneten Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der Funktion und Lebensqualität führen.

Wie wirkt Botulinumtoxin?

Botulinumtoxin wird gezielt in die Muskeln injiziert, die für das Zittern verantwortlich sind. Es reduziert dort vorübergehend die Muskelaktivität. Ziel ist eine Abschwächung der überschießenden Muskelbewegungen, sodass das Zittern weniger stark ausgeprägt ist. Anders als bei anderen Erkrankungen muss hier besonders sorgfältig dosiert werden, da eine zu starke Wirkung die Kraft der Hand beeinträchtigen kann.

Ablauf der Behandlung

Die Behandlung erfolgt ambulant und wird individuell geplant. Zunächst wird genau analysiert, welche Muskeln am Zittern beteiligt sind. Häufig werden dabei klinische Untersuchung und gegebenenfalls zusätzliche Verfahren wie Elektromyographie eingesetzt. Anschließend wird Botulinumtoxin in kleinen Mengen in die betroffenen Muskeln injiziert. Die Behandlung dauert in der Regel nur wenige Minuten.

Wirkungseintritt und Wirkdauer

Die Wirkung setzt meist innerhalb von drei bis fünf Tagen ein, die maximale Wirkung wird nach etwa ein bis zwei Wochen erreicht. Das Zittern kann dann deutlich reduziert sein. Die Wirkung hält in der Regel etwa drei Monate an. Danach kann die Behandlung bei Bedarf wiederholt werden.

Verhalten vor und nach der Behandlung

Nach der Injektion sollte die behandelte Region für etwa 24 Stunden nicht stark belastet oder massiert werden. Normale Alltagsaktivitäten sind möglich.

Nebenwirkungen

Die Behandlung ist grundsätzlich gut verträglich, erfordert jedoch eine sehr genaue Dosierung. Häufigste Nebenwirkung ist eine vorübergehende Muskelschwäche, insbesondere der Hand, was sich zum Beispiel beim Greifen bemerkbar machen kann. Ziel ist eine möglichst ausgewogene Wirkung zwischen Tremorreduktion und Erhalt der Funktion. Weitere Nebenwirkungen wie kleine Blutergüsse oder lokale Schmerzen sind möglich, aber meist mild und vorübergehend.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Zur Behandlung von Tremor stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, zum Beispiel Betablocker oder Antikonvulsiva. In schweren Fällen kann eine operative Therapie wie die tiefe Hirnstimulation in Betracht gezogen werden. Botulinumtoxin wird vor allem dann eingesetzt, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirksam sind oder nicht vertragen werden, insbesondere beim dystonen Tremor oder bei fokalen Tremorformen.