Prof. Dr. David Liebetanz - Neurologische Privatpraxis
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Botulinumtoxin bei craniomandibulärer Dysfunktion

CMD – Störungen im Zusammenspiel von Kiefergelenk und Kaumuskulatur

Die craniomandibuläre Dysfunktion ist ein Sammelbegriff für Funktionsstörungen im Zusammenspiel von Kiefergelenk, Kaumuskulatur und Zähnen. Typische Beschwerden sind Schmerzen im Kieferbereich, Verspannungen der Kaumuskulatur, Knacken oder Reiben im Kiefergelenk sowie Kopf- oder Gesichtsschmerzen. Häufig treten die Beschwerden beim Kauen, Sprechen oder beim Öffnen des Mundes auf.

Die Ursachen sind vielfältig. Häufig spielen eine Überlastung oder Fehlbelastung der Kaumuskulatur, Zähnepressen oder Zähneknirschen (Bruxismus) sowie muskuläre Verspannungen eine Rolle. Auch Störungen im Kiefergelenk selbst oder eine veränderte Koordination der Muskulatur können beteiligt sein. In vielen Fällen handelt es sich um ein funktionelles Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Die Behandlung der craniomandibulären Dysfunktion mit Botulinumtoxin ist eine gezielte Therapieoption bei ausgeprägter muskulärer Beteiligung. Durch die Entspannung der Kaumuskulatur kann sie Schmerzen lindern und die Funktion verbessern.

Wie wirkt Botulinumtoxin?

Botulinumtoxin wird gezielt in die überaktive Kaumuskulatur injiziert, insbesondere in den Musculus masseter und gegebenenfalls in weitere beteiligte Muskeln. Es reduziert dort vorübergehend die Muskelaktivität und führt zu einer Entspannung der Muskulatur. Dadurch kann die mechanische Belastung im Kieferbereich abnehmen, und Schmerzen sowie Verspannungen können sich deutlich bessern.

Ablauf der Behandlung

Nach Untersuchung der Kaumuskulatur werden die betroffenen Muskeln identifiziert. Anschließend wird Botulinumtoxin mit feinen Nadeln in die entsprechenden Muskelgruppen injiziert. Die Behandlung dauert nur wenige Minuten und ist in der Regel gut verträglich.

Wirkungseintritt und Wirkdauer

Die Wirkung setzt meist innerhalb von drei bis fünf Tagen ein. Die maximale Wirkung wird nach etwa ein bis zwei Wochen erreicht. Die Muskelspannung nimmt deutlich ab, und Beschwerden können sich spürbar bessern. Die Wirkung hält in der Regel etwa drei bis vier Monate an. Danach kann die Behandlung bei Bedarf wiederholt werden.

Nebenwirkungen

Die Behandlung ist in der Regel gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen sind meist mild und vorübergehend, zum Beispiel lokale Schmerzen oder kleine Blutergüsse an den Einstichstellen. In seltenen Fällen kann es zu einer vorübergehenden Schwäche der Kaumuskulatur kommen, was sich beim Kauen bemerkbar machen kann. Sehr selten treten leichte Veränderungen der Gesichtsform auf, da sich die Muskelspannung reduziert.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Die Basistherapie der CMD besteht aus konservativen Maßnahmen. Dazu gehören insbesondere Aufbissschienen, physiotherapeutische Behandlungen, Entspannungsverfahren und eine Anpassung von Belastungsfaktoren. Botulinumtoxin wird in der Regel dann eingesetzt, wenn diese Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind.