Prof. Dr. David Liebetanz - Neurologische Privatpraxis
← Zurück zu Botulinumtoxin

Botulinumtoxin bei neuropathischen Schmerzen

Neuropathische Schmerzen entstehen durch eine Schädigung oder Funktionsstörung von Nerven. Im Gegensatz zu „klassischen” Schmerzen, die durch Gewebeschäden oder Entzündungen ausgelöst werden, liegt die Ursache hier im Nervensystem selbst. Betroffene beschreiben die Schmerzen häufig als brennend, stechend, elektrisierend oder einschießend. Typisch sind auch Überempfindlichkeiten, bei denen schon leichte Berührungen als schmerzhaft empfunden werden.

Ursachen können zum Beispiel Polyneuropathien, Nervenschädigungen nach Operationen oder Verletzungen, Bandscheibenvorfälle oder Infektionen wie Gürtelrose sein. Neuropathische Schmerzen sind relativ häufig und betreffen schätzungsweise 6 bis 8 % der Bevölkerung. Sie treten besonders häufig bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder nach Nervenschädigungen auf und können den Alltag erheblich beeinträchtigen.

Die Behandlung neuropathischer Schmerzen mit Botulinumtoxin ist eine gut verträgliche, lokal wirksame Therapieoption, insbesondere bei umschriebenen Schmerzarealen. Sie kann Schmerzen und Überempfindlichkeit reduzieren und so zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

Wie wirkt Botulinumtoxin?

Botulinumtoxin wirkt bei neuropathischen Schmerzen nicht über die Muskulatur, sondern direkt an den Schmerzfasern. Es hemmt die Freisetzung von Botenstoffen, die an der Schmerzübertragung und Entzündungsreaktion beteiligt sind. Dadurch wird die Reizweiterleitung in den betroffenen Nerven reduziert und die Überempfindlichkeit des Schmerzsystems abgeschwächt. Die Behandlung erfolgt lokal im schmerzhaften Hautareal.

Ablauf der Behandlung

Die Behandlung erfolgt ambulant. Zunächst wird das schmerzhafte Gebiet genau abgegrenzt. Anschließend wird Botulinumtoxin mit sehr feinen Nadeln in mehreren kleinen Injektionen oberflächlich in die Haut eingebracht. Die Behandlung dauert je nach Größe des Areals etwa 10 bis 20 Minuten. Sie ist in der Regel gut verträglich.

Wirkungseintritt und Wirkdauer

Die Wirkung setzt meist nicht sofort ein, sondern entwickelt sich innerhalb von ein bis zwei Wochen. Viele Patienten berichten über eine deutliche Abnahme der Schmerzintensität und der Überempfindlichkeit. Die Wirkung hält in der Regel etwa drei Monate an. Danach kann die Behandlung bei Bedarf wiederholt werden.

Verhalten vor und nach der Behandlung

Vor der Behandlung sind keine besonderen Maßnahmen erforderlich. Nach der Injektion sollte das behandelte Areal für etwa 24 Stunden nicht massiert oder stark gereizt werden. Normale Alltagsaktivitäten sind unmittelbar möglich.

Nebenwirkungen

Die Behandlung ist insgesamt gut verträglich. Häufige Nebenwirkungen sind leichte Schmerzen oder kleine Blutergüsse an den Einstichstellen. Da die Injektion oberflächlich erfolgt, sind Nebenwirkungen sehr selten. In Einzelfällen kann es zu einer vorübergehenden lokalen Muskelschwäche kommen, wenn tiefer gelegene Strukturen beeinflusst werden.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Die Standardtherapie neuropathischer Schmerzen besteht in der Regel aus medikamentösen Behandlungen, zum Beispiel mit Antidepressiva oder Antikonvulsiva. Ergänzend können physikalische Therapien, Verhaltenstherapie oder spezielle Schmerztherapieverfahren eingesetzt werden. Botulinumtoxin wird meist dann erwogen, wenn diese Behandlungen nicht ausreichend wirksam sind oder nicht vertragen werden.