Prof. Dr. David Liebetanz - Neurologische Privatpraxis
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Botulinumtoxin bei gustatorischer Tränensekretion

Krokodilstränen

Bei der gustatorischen Tränensekretion kommt es zu vermehrtem Tränenfluss beim Essen oder bereits beim Gedanken an Nahrung. Betroffene berichten, dass ihnen beim Kauen oder Schmecken plötzlich Tränen aus einem Auge laufen, ohne dass eine emotionale Ursache vorliegt.

Ursache ist meist eine frühere Schädigung des Gesichtsnerven, zum Beispiel nach einer Fazialisparese, Operation oder Verletzung. Bei der Regeneration des Nervs kann es zu einer Fehlverschaltung kommen, sodass Nervenfasern, die ursprünglich Speicheldrüsen steuern, fälschlicherweise die Tränendrüse aktivieren.

Die gustatorische Tränensekretion ist insgesamt selten, tritt aber bei einem Teil der Patienten nach einer Gesichtsnervenlähmung auf. Häufig ist die Ausprägung mild, in manchen Fällen jedoch so störend, dass eine gezielte Behandlung gewünscht wird.

Die Behandlung der gustatorischen Tränensekretion mit Botulinumtoxin ist eine effektive und gut verträgliche Methode, um störenden Tränenfluss beim Essen gezielt zu reduzieren. Sie erfolgt ambulant, wirkt nach wenigen Tagen und kann die Lebensqualität deutlich verbessern.

Wie wirkt Botulinumtoxin?

Botulinumtoxin wird gezielt in die Tränendrüse injiziert. Dort hemmt es die Signalübertragung zwischen Nerv und Drüsenzellen, sodass die übermäßige Tränenproduktion reduziert wird. Die Wirkung ist lokal begrenzt und betrifft nur die behandelte Drüse.

Ablauf der Behandlung

Die Behandlung erfolgt ambulant und dauert nur wenige Minuten. Das Botulinumtoxin wird mit einer sehr feinen Nadel in die Tränendrüse injiziert, meist über die Bindehaut des Augenlids oder von außen. Die Behandlung ist in der Regel gut verträglich.

Wirkungseintritt und Wirkdauer

Die Wirkung setzt meist innerhalb weniger Tage ein, häufig nach drei bis fünf Tagen. Die maximale Wirkung wird nach etwa ein bis zwei Wochen erreicht. Der Tränenfluss beim Essen nimmt dann deutlich ab. Die Wirkung hält in der Regel etwa drei bis vier Monate an, teilweise auch länger. Danach kann die Behandlung bei Bedarf wiederholt werden.

Verhalten vor und nach der Behandlung

Nach der Injektion sollte das Auge für kurze Zeit nicht gerieben werden. Am Behandlungstag sollte auf starke körperliche Belastung verzichtet werden. Normale Alltagsaktivitäten sind unmittelbar möglich.

Nebenwirkungen

Die Behandlung ist in der Regel gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen sind meist mild und vorübergehend. Dazu gehören ein leichtes Fremdkörpergefühl im Auge, kleine Reizungen oder vorübergehende Rötungen. In seltenen Fällen kann es zu einer vorübergehenden Verminderung der normalen Tränenproduktion mit trockenen Augen kommen. Sehr selten treten vorübergehende Sehstörungen oder Doppelbilder auf. Diese Nebenwirkungen bilden sich in der Regel vollständig zurück.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Alternative Behandlungen sind begrenzt. In ausgeprägten Fällen wurden operative Verfahren beschrieben, die jedoch deutlich invasiver sind und heute selten angewendet werden. Botulinumtoxin stellt daher die bevorzugte Therapie dar.