Sialorrhö
Entitätsklasse: Condition (MedicalCondition)
Definition
Sialorrhö ist ein vermehrter Speichelfluss, der meist durch eine Störung der Schluckfunktion oder der Mundmuskulaturkontrolle entsteht.
Abgrenzung
- Ist in der Regel keine Überproduktion von Speichel.
- Ist keine eigenständige Speicheldrüsenerkrankung.
- Ist kein kurzzeitiges Speichellaufen bei Erkältung.
Fakten zur Erkrankung
- Bezeichnung
- Sialorrhö
- Alternative Bezeichnung
- Hypersalivation
- ICD-10-Code
- K11.7
- Leitsymptom
- Speichel sammelt sich im Mund oder tritt nach außen aus
- Typische Grunderkrankungen
- Morbus Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), schwere Hirnschädigung nach Sauerstoffmangel
- Pathophysiologie
- Störung der Schluckfunktion oder der Kontrolle der Mundmuskulatur
- Komplikationen
- Hautreizungen, erhöhtes Risiko für Aspiration und Infektionen
Fakten zur Behandlung mit Botulinumtoxin
- Indikation
- On-Label
- Wirkmechanismus
- Hemmung der Signalübertragung zwischen Nerv und Drüsenzellen der Speicheldrüsen
- Zielstrukturen
- Glandula parotis (Ohrspeicheldrüse), Glandula submandibularis (Unterkieferspeicheldrüse)
- Kontrolltechnik bei Injektion
- Ultraschall
- Dauer einer Sitzung
- Bis zu 30 Minuten
- Wirkungseintritt
- 3 bis 7 Tage nach Injektion
- Wirkdauer
- 3 bis 4 Monate
- Verhalten nach Behandlung
- Keine Massage der behandelten Bereiche für 24 Stunden
- Typische Nebenwirkungen
- Mundtrockenheit
- Seltene Nebenwirkungen
- Vorübergehende Schluckstörung, insbesondere bei vorbestehender Dysphagie
- Erhöhtes Risiko für Schluckstörung
- Fortgeschrittener Morbus Parkinson, ALS
- Alternativen
- Anticholinergika (häufiger mit Nebenwirkungen), logopädische Therapie, Bestrahlung der Speicheldrüsen in Einzelfällen
Häufige Fragen
Was ist Sialorrhö?
Sialorrhö ist ein vermehrter Speichelfluss, der häufig als Speichellaufen wahrgenommen wird. In den meisten Fällen liegt eine Störung der Schluckfunktion zugrunde, keine Überproduktion von Speichel.
Wann kommt eine Behandlung mit Botulinumtoxin infrage?
Die Behandlung wird bei chronischer Sialorrhö eingesetzt, vor allem bei neurologischen Grunderkrankungen wie Parkinson oder ALS.
Wie läuft die Behandlung ab?
Botulinumtoxin wird unter Ultraschallkontrolle in die Ohrspeicheldrüse und die Unterkieferspeicheldrüse injiziert. Die Sitzung dauert bis zu 30 Minuten.
Wann setzt die Wirkung ein und wie lange hält sie?
Die Wirkung setzt nach 3 bis 7 Tagen ein und hält 3 bis 4 Monate an.
Welche Alternativen gibt es?
Alternativen sind Anticholinergika (häufig mit Nebenwirkungen), logopädische Maßnahmen zur Verbesserung der Schluckfunktion und in ausgewählten Fällen eine Bestrahlung der Speicheldrüsen.
Quellen und Referenzen
- Ausführliche Informationen zur Behandlung auf der Praxiswebsite: liebetanz.de/botulinumtoxin/sialorrhoe.html
- ICD-10-Klassifikation, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: bfarm.de
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: dgn.org/leitlinien
Meta-Daten
- Status
- Aktiv
- Entitäts-ID
- sialorrhoe-condition
- Publikationsdatum
- 2026-04-18
- Zuletzt geändert
- 2026-04-18
- Zuletzt geprüft
- 2026-04-18
- Standard
- Grounding Page Standard v1.4