Prof. Dr. David Liebetanz - Neurologische Privatpraxis

Botulinumtoxin-Behandlung

Was ist Botulinumtoxin?

Botulinumtoxin ist ein seit vielen Jahren etabliertes Medikament zur Behandlung neurologischer Bewegungsstörungen und weiterer Erkrankungen. Es handelt sich um ein Eiweiß, das vom Bakterium Clostridium botulinum gebildet wird. In der Medizin wird es in extrem niedrigen Dosen eingesetzt, sodass die Anwendung als sehr sicher gilt.

Botulinumtoxin wirkt lokal an der Injektionsstelle. Es beeinflusst weder das Herz-Kreislauf-System noch gelangt es in das zentrale Nervensystem. Systemische Nebenwirkungen sind daher nicht zu erwarten. Mögliche unerwünschte Wirkungen beschränken sich in der Regel auf lokale Reaktionen wie Schmerzen oder kleine Blutergüsse an der Einstichstelle.

Die Wirkung beruht auf einer Hemmung der Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel bzw. zwischen Nerv und Drüsenzellen. Daher eignet sich Botulinumtoxin für Erkrankungen mit gesteigerter Muskelaktivität oder übermäßiger Drüsenfunktion.

In Deutschland stehen mit Botox, Xeomin und Dysport mehrere zugelassene Präparate zur Verfügung, die sich in Dosierung und Anwendungsgebieten unterscheiden. Die Auswahl erfolgt individuell durch den behandelnden Arzt.

Behandlungsgebiete

Botulinumtoxin kann bei einer Vielzahl neurologischer und funktioneller Erkrankungen eingesetzt werden. Man unterscheidet zugelassene Anwendungen („on-label“) und Anwendungen außerhalb der Zulassung („off-label“), bei denen ggf. eine Kostenübernahme geklärt werden sollte. Hierzu können sie uns gerne vorab über info@liebetanz.de kontaktieren.

Die folgenden Off-Label-Indikationen für Botulinumtoxin sind in der Literatur gut belegt und können in unserer Praxis behandelt werden:

Bruxismus - Zähneknirschen - Masseterhypertrophie

(Lee SJ et al. Am J Phys Med Rehabil. 2010;89:16–23, Shim YJ et al. Toxins (Basel). 2020;12:168)

Faziale Synkinesien - Unwillkürliche Mitbewegungen nach Fazialisparese

(Beurskens CHG, Heymans PG. Phys Ther. 2006;86:1684–1693; de Maio M, Bento RF. Facial Plast Surg. 2007;23:134–140)

Frey-Syndrom - gustatorisches Schwitzen

(Laccourreye O et al. Ann Otol Rhinol Laryngol. 1999;108:1–6; Drobik C, Laskawi R. Laryngoscope. 1995;105:1111–1114)

Gustatorische Tränensekretion - Krokodilstränen

(Boroojerdi B et al. Neurology. 1998;51:917–919; Montoya FJ et al. Ophthalmology. 2002;109:2320–2323)

Laryngeale Dystonie - spasmodische Dysphonie

(Blitzer A et al. Laryngoscope. 2018;128:177–183)

Musikerdystonie - aufgabenspezifische Dystonie

(Altenmüller E, Ioannou CI. J Neural Transm. 2020;127:425–434)

Oromandibuläre Dystonie

(Yoshida K. Toxins (Basel). 2024;16:546)

Palmarhyperhidrose übermäßiges Schwitzen der Hände oder Füße

(Glaser DA et al. Dermatol Surg. 2019;45:131–139)

Neuropathischer Schmerz

(Lakhan SE et al. Pain Res Treat.2015;2015:1–9)

Piriformis-Syndrom - Reizung des Ischiasnervs durch den Piriformis-Muskel

(Fishman LM et al. Arch Phys Med Rehabil. 2002;83:295–301)

Schreibkrampf - Graphospasmus

(Karp BI et al. Neurology. 1994;44:70–76)

Tremor, insbesondere Handtremor und dystoner Tremor

(Mittal SO et al. Tremor Other Hyperkinet Mov. 2018;8:589)

Vaginismus - Scheidenkrampf

(Bertolasi L et al. Sex Med. 2009;6:2070–2077, Ferreira JR, Carvalho J, Nobre P. Sex Med. 2012;9:287–293)

Tennisarm - Epicondylitis humeri radialis

Zungenprotrusionsdystonie - linguale Dystonie